Auf dieser Seite werden in zwangloser Reihenfolge Barmer Persönlichkeiten vorgestellt, die die Entwicklungs Barmens und Hochbarmens mit geprägt haben

Vielen dieser "Barmer Köpfe" sind im Barmer Wald und in den Barmer Anlagen Denkmäler gewidmet und es wurden Wege und Plätze nach ihnen benannt

 

Einer Anregung von Bernd Lamprecht, Vorsitzender der Johann-Victor-Bredt-Gesellschaft und stellvertretender Vorsitzende des Bürgervereins Hochbarmen e.V., folgend, wurde am 5. Oktober 2020 im Barmer Verschönerungsverein

 unter dem Titel „Erinnerungskultur“ eine Kommission gegründet, die sich umfangreiche Recherchen vorgenommen hat. Klaus Günther Conrads, BVV-Vorstandsmitglied, wurde zum Vorsitzenden der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ gewählt. Diese Kommission veranstaltet seit Oktober 2020, soweit es Corona zulässt, regelmäßige Exkursionen zu den Punkten im Barmer Wald und in den Parkanlagen des BVV, die den Barmer Persönlichkeiten gewidmet sind.



Das Wort „Mitmensch“ hat er wörtlich genommen

(kgc). Als Sohn eines Wuppertaler Industriellen wurde Peter Muckenhaupt am 28. Februar 1950, also vor bald 71 Jahren, geboren. Ab 1956 besuchte er die (Hoch-)Barmer Grundschule Marper Schulweg, die sich in der Nähe seines Elternhauses befand. Er ging im Anschluss auf das noch heute renommierte Carl-Duisberg-Gymnasium in Wuppertal-Oberbarmen. Schon dort wurden seine Ambitionen deutlich, sich für andere einzusetzen und zu engagieren. Von der Mittelstufe bis zum Abitur war er als Schulsprecher und im Schulparlament tätig. Zu seinem Abitur im Jahre 1969 wurde er von Direktor Dr. Klemm wegen seiner außergewöhnlichen Verdienste als Schulsprecher und der Tätigkeit im Schulparlament geehrt.

Im Anschluss begann Peter Muckenhaupt mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Ziel war, in das mittelständische Familienunternehmen Muckenhaupt & Nusselt einzusteigen.

Familie

Nachdem er 1974 sein Studium als Diplomkaufmann abgeschlossen hatte, heiratete er im Januar 1975 seine Frau Ute Muckenhaupt. Für seine beiden Töchter und seinen Sohn (Christian), war Peter Muckenhaupt stets ein vorbildlicher und fürsorglicher Vater.

Familienunternehmen

Um Berufserfahrungen außerhalb des Kabelwerkes Muckenhaupt & Nusselt zu sammeln, arbeitete Peter Muckenhaupt zwei Jahre bei der Firma Merck Telefonbau GmbH, für die er sich schon während seines Studiums interessierte. Am 1. März 1977 trat Peter Muckenhaupt in der dritten Generation in das Familienunternehmen ein und wurde am 1. Januar 1982 zum Geschäftsführer der Muckenhaupt & Nusselt GmbH & Co. KG bestellt.

Mitmensch

Peter Muckenhaupt war ein äußerst verantwortungsvoller Unternehmer, der sich für die Region, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Verbreitung des Leitbildes nachhaltigen Wirtschaftens über sein Unternehmen hinaus eingesetzt hat.

Er hat in vorbildlicher Weise einen „Unternehmertyp“ verkörpert, für den unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft einen hohen Stellenwert hatte. Dies bezieht sich vor allem auf die Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie den hohen Stellenwert von betrieblichem Umweltschutz und nachhaltigem Wirtschaften.

Bereits seit Anfang der 90er Jahre hat er die Zusammenarbeit mit Studenten, Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen unterstützt. Dabei ging es ihm nicht nur um die Unterstützung der Studenten, sondern immer auch um die Suche nach innovativen Lösungen und einer Entwicklungsperspektive für das Unternehmen. Die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie hat ihn besonders gereizt.

 

Verdienste

Die Verdienste Muckenhaupts sind zahlreich: In Sachen Umweltschutz war er mit vielen Projekten Pionier, die Firma zählte zu denjenigen 160, die zur ersten Woche der Umwelt 2000 ins Schloss Bellevue eingeladen wurden. Die Wuppertaler Umweltinitiative, die Agenda 21, überhaupt das Thema Nachhaltigkeit, prägten auch das unternehmerische Wirken.

Muckenhaupt ist mit dem Preis „Lebendige Unternehmenskultur“ ausgezeichnet worden. 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Das Land würdigte das Langerfelder Unternehmen für das vorbildliche Engagement im Jahre 2005 mit dem Preis „corporate citizenship – NRW“.

 

Vielfältiges Interesse

Paul Peter Muckenhaupt zählte zu den Gründungsmitgliedern des Technologiezentrums Wuppertal, w-tec. Sein soziales, kulturelles und gesellschaftliches Engagement galt unter anderem der Hospizstiftung, dem Barmer Verschönerungsverein, dem Lions-Club und dem Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Christophorus.

 

Rückblick

Wer ihn kannte, der lernte schnell seine offene Art schätzen. Peter Muckenhaupt hörte sich die Dinge immer erst in Ruhe an, traf dann seine Entscheidung und war dabei sehr häufig Wegbereiter für neue Pfade.

 

Kurzes Leben

Am 3. Januar 2006 starb Paul Peter Muckenhaupt im Alter von nur 55 Jahren völlig unerwartet an Herzversagen.

 

 Text: Klaus-Günter Conrads, 17.02.2021



Wilhelm Vorwerk war ein Patriarch mit Ecken und Kanten

 

Wilhelm Vorwerk lebte von 1889 bis 1967.

 

 

(kgc). Der Name Vorwerk ist jedem Wuppertaler selbstverständlich und vielen Deutschen ein Begriff. Zwei große Unternehmen tragen diesen Familiennamen: (Electro-) Vorwerk und Co, die Firma mit dem Kobold-Staubsauger und der Küchenmaschine „Thermomix“, und Vorwerk & Sohn.

 

Einst im nahen Schwelm, dem noch heute "Vörfken" genannten Hof beheimatet, siedelten Familienangehörige ins Wuppertal über. Das Wupperfeld war die erste Station und später entstand im Bereich des Kleinen Werthes, Bach- und Kohlgartenstraße ein großes Vorwerk-Imperium. Electro-Vorwerk siedelte zum Mühlenweg um und die Textilfabrikation von Vorwerk & Sohn wurde zunächst teilweise in ein neues Werk auf dem Lichtenplatz verlegt.

 

Stadtentwicklung

Der Name Vorwerk ist dank eines Familiensprosses (Adolf senior) mit vielen Ereignissen im Süden der Stadt untrennbar verbunden: Barmer Bergbahn, Luftkurhaus, Turmbahn, Besiedlung der Südhöhen. Sein Sohn Wilhelm setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) für die Erhaltung der Parklandschaft ein.

 

Kontrast, Sparsamkeit, Nachhaltigkeit

Es sind einige markige Sätze aus dem Hause Vorwerk überliefert, die spannend klingen. Gegen Adolf Vorwerks Anschauung „Man soll keine öffentlichen Ämter übernehmen, denn man hat keinen Dank davon, sondern nur Ärger und kann die dafür aufgewandte Zeit besser dem eigenen Geschäft widmen;“ setzte Sohn Wilhelm die Überzeugung, dass jeder Unternehmer mindestens 30 Prozent ehrenamtlichen Einsatz in der Öffentlichkeit leisten müsse. Sparsamkeit war in der Familie Vorwerk oberste Maxime. Des Sohnes Anregungen konterte Vater Adolf: „Ist Dir das auch wert?“ Im Haushalt wurde nichts noch Brauchbares weggeworfen.

 

Wilhelm Vorwerk

Wilhelm Vorwerk wurde am 13. Januar 1889, vor 132 Jahren, als zweiter von drei Söhnen Adolf Vorwerks geboren. Nach einer gründlichen Ausbildung trat er in die 1827 gegründete Firma Vorwerk & Sohn ein und widmete sich besonders dem vor der Wende zum 19. Jahrhundert errichteten Gummiwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieb Wilhelm Vorwerk gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und den Mitarbeitern den Wiederaufbau voran, auch in Fulda, wo Deutschlands modernste Reifenfabrik entstand, die später an Goodyear verkauft wurde.

Weltweite Bedeutung erlangte auch das Wuppertaler Unternehmen zurück. Den fortschrittlichen Gedanken Vorwerks folgend, wurde das an der Werther Brücke gelegene Textilwerk nach Schwelm verlegt

 

Umtriebig und engagiert

Trotz seiner vielfältigen betrieblichen Bindungen engagierte sich Wilhelm Vorwerk in Unternehmerorganisationen und zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches betrieb er die Wiedervereinigung von Arbeitgeberverbänden als Gesprächspartner für die Gewerkschaften, zunächst gegen den Widerstand der damaligen Besatzungsmacht. Triebfeder war die Überzeugung von einer notwendigen, verantwortungsbewussten Zusammenarbeit zwischen den Tarifvertragsparteien. Ein Ergebnis waren die "Hattenheimer Gespräche", die wertvolle Anregungen für die bundesdeutsche Sozialpolitik gaben. Mitglied der Industrie- und Handelskammer war Vorwerk bereits 1929 geworden, seit 1933 deren Vizepräsident. Das 1942 abgebrochene Engagement setzte er 1945 als Vorsitzender fort und verwirklichte die Neuorganisation auf Landes- und Bundesebene. Die hohe Wertschätzung Vorwerks drückte sich unter anderem 1956 in der Wahl zum Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages aus.

 

Für seine Vaterstadt engagierte er sich im besonderen Maße als Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins. Er setzte ab 1945 Mitarbeiter, die die im Krieg zerstörten Barmer Anlagen rekultivierten, auf seine Lohnliste. Er stellte Geräte zur Verfügung, kaufte das inzwischen veräußerte Haus Dahl und managte die Neugestaltung und Pflege dieser zweitgrößten privaten Parkanlage Deutschlands. Anlässlich der letzten Fahrt der Barmer Bergbahn, von seinem Vater Adolf 65 Jahre zuvor initiiert, hielt Wilhelm am 4. Juli 1959 neben dem Bergbahnhof eine flammende, aber erfolglose Rede gegen die Stilllegung.

 

Wilhelm Vorwerk starb am 4. November 1967. Am Höhenweg des Barmer Waldes ist 1971 für ihn eine schlichte Gedenkstätte errichtet worden. Es blieb die Erinnerung an einen Mann mit Verantwortungsbewusstsein, Temperament, unbestechlichem Blick für das Praktische, Aufgeschlossenheit für neue Ideen und liebevoller Hingabe zur Natur.

 

Privat hatte Wilhelm Vorwerk nur bedingt Glück. Ruth von Eckartsberg heiratete er 1919. In den 15 gemeinsamen Jahren schenkte sie ihm fünf Kinder: Ruth von Armansperg, Esther Cöllen, Margret von Bethmann, Wilhelm Vorwerk jun. und Adolf Vorwerk jun., starb aber schon 1934. Es gelang nur unbefriedigend, für die mutterlosen, noch kleinen Kinder, eine geeignete Betreuung zu finden. Für seine 14 Enkel war er ein fröhlicher, verständnisvoller „Großvati“. 1965 heiratete Wilhelm Vorwerk Margarete Sondermann, seine Sekretärin und engvertraute Gefährtin, die die Firmennachfolge regelte. Enkel Peter Cöllen übernahm Vorwerk & Sohn und entwickelte das Traditionsunternehmen zu einem bedeutenden Zulieferer der Autoindustrie.



Max Vorwerk kümmerte sich um den Vorwerk-Einkauf

 

(kgc). Max Vorwerk wurde am 14. Dezember 1896 geboren und war neben Adolf junior und Wilhelm einer der drei Söhne von Adolf Vorwerk, der sich um die Besiedlung des Toelleturm- Viertels verdient gemacht hat und den Adolf- Vorwerk-Park anlegen ließ. Gestorben ist der Vater von Max Jörg Vorwerk. der 2003 den Vorwerkpark für die Öffentlichkeit öffnete. am 7. September 1981.

Mitten in einer für das Vorwerk- Gummiwerk auf dem Lichtenplatz schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (I914-18), der Fabrikationsumstellung, war Adolf Junior plötzlich und unerwartet am 12. Januar 1920 an einer Grippe verstorben. Damit fehlte mit einem Schlag der führende Kopf des Gummiwerkes.

Max Vorwerk. der jüngste der drei Brüder, hatte sich nach seiner Rückkehr aus dem Krieg in der Hauptsache mit dem Gummiwerk beschäftigt und ließ sich von Adolf junior einarbeiten, weil ihm eine . gründliche Ausbildung fehlte. Die Praxis war sein Ding. Auch die allgemein-kaufmännischen Kenntnisse hatte er sich noch nicht aneignen können. Deshalb nahm der mittlere Bruder Wilhelm mit seinem gleichzeitig erfolgenden offiziellen Eintritt als Teilhaber von Vorwerk & Sohn die Leitung des Gummiwerks.

 

Wilhelm Vorwerk, von 1945 bis ) 967 Vorsitzender des Banner Verschönerungsvereins, hatte sich zuvor fast ausschließlich um den Textilbetrieb gekümmert, um bei der ursprünglich vorgesehenen Arbeitsteilung später in dessen Leitung aufzurücken.

Als neuen technischen Leiter stellte Vorwerk den Chef-Chemiker Dr. Heinrich Feuchter (ein Weg seines Namens zweigt von der Wettiner Straße ab) als Direktor ein. Unter seiner Leitung wurde das Werk maschinell modernisiert. personell rationalisiert und organisatorisch auf die Zukunft ausgerichtet.

Auch die Verkaufsorganisation wurde umgebaut. Isolierband wurde zum Verkaufsschlager und in einer Blechdosenverpackung geliefert. "Vorwerk" wurde zu einer Qualitätsschutzmarke. Gummiabsätze, Klöppeleinlagen. umklöppelte Fahrrad-, Luftpumpen- und Gasschläuche waren weitere Produkte. "Vorwerk"-EJastik-Reifen wurden entwickelt.

 

Nach einer gründlichen Ausbildung in verschiedenen auswärtigen Betrieben kehrte Max Vorwerk ins Wuppertal zurück und kümmerte sich in der Hauptverwaltung im Kleinen Werth 34 um den zentralen Rohmaterialeinkauf. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums folgte Max Vorwerk um 10. April 1927 als Teilhaber ins Unter- nehmen.

Max Vorwerk wurde 1918 Mitglied der 1801 gegründeten ersten Banner Gesellschaft "Concordia" (vgl. Festschrift 125 Jahre Concordia Barmen, 1926, S. 69).

 

Am 7. September 1981 verstarb Max Vorwerk in Morcote.

Text: Klaus-Günter Conrads, 20.12.2020



Paulinenruhe erinnert an die Frau des Seifenfabrikanten Luhn

  

(kgc). Sophia Pauline Wink wurde am 12. Dezember 1841 geboren. Gestern wäre sie 179 Jahre alt geworden. Für den Barmer Verschönerungsverein ein guter Anlass, an die Namensgeberin und den Stifter für einen Ruhe- und Aussichtsplatz im Barmer Wald zu erinnern. Damals, 1914, war drum herum noch kein Wald und eine weite Sicht über die Konradshöhe hinaus möglich.

 

1865 heiratete Sophia Pauline Wink den Seifenfabrikanten August Luhn, mit dem sie sechs Söhne und eine Tochter bekam. Pauline Luhn war fast schon eine Managerin, denn sie forderte ihren Mann August auf: „Mache Dich selbstständig! Wenn Du morgen wieder keinen Mut hast, selbst zu kündigen, dann gehe ich zu Deinem Chef und kündige für Dich.“ August folgte dem klugen Rat seiner Frau und kündigte.

 

Die Fabrik

Die Seifenfabrik Luhn wurde am 8. Januar 1869 gegründet und war zeitweise die größte und modernste Fabrik ihrer Art mit Sitz in der Schwarzbach. Dort wurde zunächst Schmierseife hergestellt, für Sauberkeit für Mensch und Haus. Im Laufe der Jahre weiterte sich die Produktion aus. Bis 1972 war Luhns ein reines Familienunternehmen, da nach und nach die Söhne einstiegen. Nach 1972 wurde Luhn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wechselte die Besitzer. 2013 wurde die Produktion in Oberbarmen aufgegeben.

 

Pauline

Pauline Luhn war Neuem sehr aufgeschlossen. Sie schickte alle Söhne in die USA, um dort neue Erfahrungen zu machen. So soll sie auch die „Seifenflocken“ „erfunden“ haben, damit sich die Seife bei der „großen Wäsche“ schneller auflöste.

Sohn Peter war der einzige, der nicht in der Firma tätig war. Er wurde Drucker und gründete 1896 eine Druckerei, wo wohl auch die Reklame für Luhns gedruckt wurde. Ein Kochbuch wurde für zwei Mark verkauft. Peters Sohn Hans Peter wanderte in die USA aus, war dort ein bekannter Erfinder, beispielsweise bei IBM. Er erfand die Luhn Algorythmen und KWIC Indexierung, wichtig für die Entwicklung der Computer.

 

 

Krankheitsbedingt ließ sich Pauline fast täglich im Rollstuhl zu einem Aussichtspunkt nah am Toelleturm fahren, um die Aussicht zu genießen. Seit der Jahrhundertwende lebte die Familie in einer großen Villa in der Sachsenstraße 18. Das Haus wurde am 30. Mai 1943 durch einen Bombenangriff zerstört. Pauline starb am 8. Juli 1911 in ihrer Villa. Zu ihrem Gedenken ließ ihr Mann August 1914 im Barmer Wald, unweit vom Höhenweg, einen Aussichtsplatz anlegen und mit Bänken ausstatten: die „Paulinenruhe“. Die Söhne sorgten mit weiteren Zuwendungen für den Erhalt dieses Plätzchens, dessen schöne Weitsicht durch wachsende Bäume verstellt wurde.

 

August Luhn starb am 17. Dezember 1915, beide sind auf dem Friedhof Heckinghauser-/ Brändströmstraße beigesetzt.

 

Die Sachsenstraße 18 und 18a

1995 haben Peter und Karla Krah das halbe Grundstück Sachsenstraße 18 gekauft und bekamen die Haus-Nr. 18 a. Etwas später erfuhr das Paar, dass dort die Villa der Familie Luhn, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, gestanden hat. Der Bagger fand beim Graben ein Fundament und hatte plötzlich Reste eines Kellers unter seiner Schaufel. Es war Luhns Keller gewesen. Nach fünf Jahren zogen Krahs in die Hohenzollernstraße 24. Einer von Paulines Söhnen bewohnte bis zum Bombenangriff Haus-Nr. 22. Seit 2017 wohnt Karla Krah in der Emilstraße. Der Name Luhn lässt sie nicht los: Einer von Paulines Enkeln – Günter Luhn – hat in der Emilstraße 92 gewohnt.

 

In der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ hat Karla Krah die Patenschaft für „ihre Pauline“ übernommen und schlüpft bei öffentlichen Anlässen in Paulines Rolle.

Text: Klaus-Günter Conrads, 13.12.2020



Hermann Wahl wäre 180 Jahre alt geworden

 

Nach ihm ist im Barmer Wald ein Weg benannt: „Wahlweg“

 

Größtes Textilhaus am Platze

1864, dem Gründungsjahr des Barmer Verschönerungsvereins, ist der am 1. November 1840 (vor 180 Jahren!) geborene Hermann Wahl, Sohn von Saul und Amalie Wahl, in die Geschäftsleitung des Barmer Textilhauses „S. & R. Wahl“ an der Werther Straße 2 eingetreten und trat nach dem Tode seines Vaters 1867 in dessen Fußstapfen. 

Er galt nicht nur als solider Kaufmann, sondern auch als weltoffener Mensch und Kunstmäzen, war Verfasser von „lokalen Lustspielen und Schwänken“. Die private Lebensführung war bescheiden.

Wahl muss ungewöhnlich zielstrebig gewesen sein, denn er hielt nicht nur das kaufmännische Streben im Auge und wollte Gewinne erzielen. Auch das Betriebsklima lag ihm am Herzen. Immerhin zählte das Personal um die Wende zum 20. Jahrhundert etwa 200 Angestellte und Arbeiter. Hermann Wahl hat deutlich gemacht, dass er sich als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens empfand. Deshalb war es für ihn selbstverständlich, Vorbild zu sein und ehrenamtlich in Berufsorganisationen, etwa dem Detaillistenverband (vergleichbar dem heutigen Einzelhandelsverband) tätig zu sein. Schon 1893 wurde der Mitglied der Barmer Handelskammer und blieb es bis zu seinem Tod. Dass er mit Adolf Vorwerk, Albert Molineus und anderen zu den Förderern des Projektes Barmer Bergbahn gehörte, zeigt seine weltoffene und dem Fortschritt zugewandte Haltung.

 

Text: Klaus-Günter Conrads; Sonntagsblatt 08.11.2020



Johannes Langermann

ist am 24. Oktober 1848, vor 172 Jahren geboren worden. Wegen seiner Verdienste wurde ihm am Höhenweg im Barmer Wald ein Denkmal gesetzt. Dieses Denkmal besteht aus einem Steinwürfel auf einem kleinen, runden Platz. Über der Inschriftentafel befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein Bronzebildnis Langermanns von Wilhelm Koopmann. Am 1. April 1951 konnte das Denkmal erneut eingeweiht werden, nachdem die Kriegsschäden beseitigt worden waren. Im Herbst 1985 erneuerte der Barmer Verschönerungsverein die verwitterte Inschriftentafel und änderte diese dabei leicht ab.

Johannes Langermann, geboren am 24. Oktober 1848 in Broock, vollendete 1878 das Lehrer-Seminar und arbeitete von 1880 bis 1906 in Barmen.

 Der engagierte Lehrer wurde zum Schulreformer und träumte von einer Schule, in der die Schüler frei die eigene Persönlichkeit entwickeln könnten, ohne dass Staat oder Kirche in die Erziehung eingriffen. Er sah es als Aufgabe des Lehrers an, die Talente eines Kindes zu fördern und zu entwickeln. Seine Ideen brachten ihm zahlreiche Anhänger auch im fernen Ausland ein, so sandte ihm der japanische Kultusminister, der in Deutschland studiert hatte, um 1900 ein wertvolles Schwert. Sein Erziehungsprinzip formulierte Langermann in knappen Thesen: “Nicht Stoffanhäufung — sondern Kraftentwicklung; nicht Wissen — sondern Können; nicht Zwang — sondern freies, freudiges Wollen; nicht Konkurrenz — sondern Ergänzung; nicht Isolierung — sondern organische Eingliederung; nicht Lernen zu Prüfungszwecken — sondern Erleben zum Zweck des Lebens.“

Langermann bekam nach 1906 die Möglichkeit, seine Ideen in Darmstadt (Stein-Fichte-Schule) und Oberstdorf (Stillach-Schule) zu verwirklichen. Er starb am 28. Juli 1923 und wurde in Lüdenscheid beigesetzt, wo ihm der Westfälische Lehrerverein zu seinem 100. Geburtstag 1948 auf dem Bergfriedhof ein Grabmal errichtete.

 Text: Klaus-Günter Conrads; Sonntagsblatt 25.10.2020



Wilhelm Werlé war für Barmer Anlagen treibende Kraft

 

Wilhelm Werlé, nach dem eine Straße in Heckinghausen benannt ist, wurde am 26. September 1804 geboren. Ihm ist ein Denkmal in den unteren Barmer Anlagen gewidmet.

 

Wilhelm Werlé (1804-1880) war Leiter der Barmer Erleuchtungsanstalt und Initiator für die Barmer Anlagen. 

Er wollte in der Zeit der Industrialisierung verhindern, dass die immer mehr aus dem Tal auf die Wupperhänge drängenden Textil- und Textilmaschinen drängenden Firmen („Barmer Artikel“) für Natur keinen Platz mehr ließen.daran, dass am Rande des Parks, im Fischertal an der Oberen Lichtenplatzer Straße ein Heim für verlassene Kinder gebaut werden konnte. Das spätere Altenheim wurde erst jüngst abgerissen.

Werlé initiierte die am 8. Dezember 1864 erfolgte Gründung des Barmer Verschönerungsvereins und mit Wegbegleitern beschaffte er Geld und ließ im ersten Schritt vom Düsseldorfer Hofgartendirektor Joseph Clemens Weyhe die unteren Anlagen gestalten. Der BVV war also eine frühe Bürgerinitiative „pro Grün“, als man diesen Namen noch nicht kannte. Später wurden daraus die 100 Hektar großen Barmer Anlagen. Dass Werlé auch ein Herz für Kinder hatte, zeigte sich

 

 Text: Klaus-Günter Conrads; Sonntagsblatt 18.10.2020